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Eine Idee und ihre Realisierung

Rückschau:

Vor 35 Jahren entstand in Hannover eine Schule besonderer Art, die „Freie Martinsschule“ (www.freie-martinsschule.de). In ihr sollten nach dem Wunsch von interessierten Eltern und Lehrern Seelenpflegebedürftige Kinder, das sind Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen, auf der Grundlage der Pädagogik von Rudolf Steiner unterrichtet werden.

Heute unterrichtet die Freie Martinsschule ca. 120 Schülerinnen und Schüler, deren Betreuung in den Händen geschulter Heilpädagogen liegt. So genießt die Martinsschule über die Grenzen von Hannover hinaus ein hohes Ansehen, das auch in der staatlichen Anerkennung und finanziellen Förderung zum Ausdruck kommt.

Die Erfahrungen von Eltern und Lehrern mit den Schulabgängern haben indes schmerzhaft gezeigt, dass behinderte junge Menschen vielfach nur mit großen Schwierigkeiten beruflich in unsere leistungsorientierte Gesellschaft zu integrieren sind. Andererseits haben behinderte Menschen ein Recht darauf, ihr Leben durch sinnvolle Tätigkeit entsprechend ihren Fähigkeiten und Neigungen zu gestalten.

Eltern, Lehrer und Freunde der Freien Martinsschule haben sich deshalb Gedanken gemacht, wie für Seelenpflege-bedürftige junge Menschen geeignete Arbeitsplätze geschaffen werden können, die ihre Selbstständigkeit fördern und ihnen die Möglichkeit zum Leben mit anderen Menschen in der Gemeinschaft bieten.

Vor fast 70 Jahren wurde in England durch den anthroposophischen Arzt Dr. Karl König eine Lebensform entwickelt, die sich ,,Dorfgemeinschaft" nennt. In den sechziger Jahren griff diese Idee auch auf Deutschland über. Heute gibt es in fast allen Bundesländern Dorfgemeinschaften, Wohnsiedlungen oder Lebensgemeinschaften auf der Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes von Rudolf Steiner.

Nach diesem Vorbild wurde in den 1990er Jahren ein landwirtschaftlicher Betrieb in Klein Bollensen bei Uelzen gefunden, auf dem behinderte und nicht behinderte Menschen in familienähnlichen Gemeinschaften zusammenleben und eine bleibende Heimat finden sollten. Die Martinshof-Idee fand bei der Klosterkammer Hannover großen Anklang. Deshalb hat sie zwei Höfe gekauft und dem Martinshof e.V. auf Erbpachtbasis zur Verfügung gestellt.

Im Mittelpunkt steht die Landwirtschaft mit einer biologisch-dynamischen Anbauweise. Ein solcher Betrieb beachtet das natürliche Zusammenwirken von Boden, Pflanze, Tier und Mensch, und vermittelt seelenpflege-bedürftigen Menschen in besonderem Maße positive Erlebnisse. Zugleich leistet er einen wichtigen Beitrag zu gesunder Ernährung und zeitgemäßer Umweltgestaltung. Neben der handwerklich-praktischen Arbeit sollen auf dem Martinshof aber auch künstlerische und therapeutische Betätigungen gepflegt werden. Dazu gehören Malen, Reiten, Musizieren, Eurythmie und insbesondere die Gestaltung der Jahresfeste.